Controlling in virtuellen Unternehmen

Bezeichnung (Arbeitstitel):
Koordination als Aufgabe des Controllings in virtuellen Unternehmen, speziell im Mittelstand
Problemstellung

Der strategische Ansatz einer Konzentration auf Kernkompetenzen und die damit verbundene Neugestaltung von Geschäftsprozessen führt regelmäßig zu unternehmensübergreifenden Kooperationen. Mit dem Einzug moderner Informations- und Kommunikationstechnologien in Organisationen dazu angepasste neue Organisationskonzepte wie virtuelle Organisationen bzw. virtuelle Unternehmen diskutiert. Durch die Verteilung von Aufgaben auf rechtlich selbständige und zumeist geographisch verteilte Unternehmen entsteht ein beträchtlicher Abstimmungs- bzw. Koordinationsaufwand. Da die an einem virtuellen Unternehmen beteiligten Kooperationspartner untereinander nur in einer losen Kopplung stehen und aus Flexibilitäts- und Kostengründen bewusst auf die Institutionalisierung zentraler Funktionen resp. auf die Ausbildung einer formalen Organisation verzichtet wird, müssen geeignete Koordinationsinstrumente und -mechanismen gefunden werden, die eine effektive und effiziente Projektabwicklung ermöglichen und dem virtuellen Unternehmen insgesamt den Erfolg sichern.

Trotz des anhaltenden Interesses an dem Konzept der virtuellen Unternehmen ist jedoch immer noch  ein Mangel an empirischen Arbeiten und praktischen Umsetzungskonzepten festzustellen.

Seit den späten 80er Jahren des 20. Jahrhunderts erweitern gerade Großunternehmen ihren Handlungsspielraum vor dem Hintergrund verstärkter Globalisierung durch Zukäufe und Zusammenschlüsse mit anderen Unternehmen. Damit wird häufig das Ziel verfolgt, Marktpositionen zu halten oder auszubauen.

Mittelständischen Unternehmen bieten sich nicht die gleichen Möglichkeiten angesichts begrenzter finanzieller Mittel und eingeschränkter personeller bzw. materieller Ressourcen. Dennoch war und ist unternehmerische Zusammenarbeit für den Mittelstand kein Fremdwort und angesichts der anhaltenden Virtualisierungs-debatte ist zu beobachten, dass seit geraumer Zeit der Mittelstand verstärkt in kooperativen und netzwerkartigen Verbindungen intelligente Chancen des Wachstums sucht. Insbesondere für mittelständische Unternehmen besteht durch die sprunghafte Ausweitung der internationalen Arbeitsteilung in der Planung, Produktion und Distribution akuter Handlungsbedarf. Beispielhaft zu nennen in Hochtechnologiebranchen (Biotechnologie, Mikroelektronik) die ja auch zu den bayerische Wachstumsfeldern gehören, aber auch klassischen Branchen der Industrie.

Der Mittelstand tut sich allerdings mit dem dahinter stehenden Management- und Organisationsprinzip grundsätzlich noch schwer, greift es doch erheblich in das Selbstverständnis mittelständischer Betriebe von Selbständigkeit, Unabhängigkeit und geringer Größe ein. Andererseits unterstützt nur eine partnerschaftliche Zusammen-arbeit in Zukunft den Vorteil unternehmerischer Flexibilität, die bisher von den Unternehmen im Alleingang gewährleistet wurde.

Forschungsinteresse

Ziel dieser Arbeit soll sein, die Herausforderungen des Controllings bei Kooperationen aufgrund der Ableitung von neuen Unternehmensführungsgesichtspunkten zu benennen und schwerpunktmäßig zu beleuchten.

In diesem Forschungsprojekt soll mit einer empirisch-qualitativen Forschungs-methodik untersucht werden, welche Koordinationsinstrumente bei der Leistungserstellung in virtuellen Unternehmen und hier fokussiert auf den Mittelstand in der Region Oberpfalz/ Böhmen  verwendet werden. Hierbei wird u. a. den Fragen nachgegangen, welche Koordinationsinstrumente sich in den unterschiedlichen organisations- übergreifenden Leistungserstellungsprozessen (Supply Chain)  als geeignet, wenig geeignet oder ungeeignet erweisen, ob -und wenn ja- unter welchen Bedingungen eine Selbstabstimmung unter den Kooperationspartnern möglich ist oder ob es einer Koordinationsinstanz bzw. eines Beziehungspromotors bedarf.

Es wird die  Absicht verfolgt, ein genaueres Verständnis über die Koordinationsschwierigkeiten in virtuellen Unternehmen und deren erfolgreiche Lösung mittels unterschiedlicher Koordinationsinstrumente zu gewinnen

Das Forschungsprojekt ist abgestimmt mit den Forschungsclustern der Fakultät und wird von dieser unterstützt. Es bestehen verschiedene Wechselwirkungen zu anderen Forschungsvorhaben der Fakultät, so dass von einer gegenseitigen Stimulierung der Forschungsarbeit ausgegangen werden kann.

Vorgehensweise

Im ersten Schritt wird die theoretische und praktische Basis für dieses Projekt geschaffen. Durch intensive Recherche und Analyse des State of the Art zum Einen und der Erstellung von Unternehmensprofilen in der ausgewählten Region zum Anderen wird der theoretische Ansatz z.B. zur Typologisierung von Koordinationsinstrumenten gewählt,  die Methodologie der folgenden Erhebungs-methode geklärt als auch und die möglichen Untersuchungsobjekte  beschrieben und ausgewählt.

Untersuchungsobjekt sollen ca. zehn Unternehmen sein, die in die Fallstudie (nächster Schritt) einbezogen werden. Leitfadengestützte Experteninterviews sind hier die die zentrale Erhebungsmethode. Daneben soll in einem ausgewählten Unternehmen eine teilnehmende Beobachtung und eine konkrete Inhaltsanalyse der Leistungserstellungsprozesse und der angewandten Controllinginstrumente  zur Koordination durchgeführt werden. Mit dieser Vorgehensweise wird die Absicht verfolgt, ein genaueres Verständnis über die Koordinationsschwierigkeiten in virtuellen Unternehmen und deren erfolgreiche Lösung mittels unterschiedlicher Koordinationsinstrumente zu gewinnen.

Zielsetzung

Die Zielsetzung des Forschungsprojektes besteht neben der Beantwortung der o. a. Forschungsfragen in dem Aufbau eines allgemeingültigen Modells zur Koordination in virtuellen Unternehmen, speziell für den Mittelstand am Beispiel der Region Oberpfalz/Böhmen.

Meilensteine

  1. Jahr: Recherche der theoretischen Basis, Zusammenfassung des State of the Art, Analyse der Untersuchungsobjekte (Unternehmensprofile), Pre-sales Aktivitäten zur Gewinnung eines konkreten Unternehmens als konkretes Untersuchungsobjekt
  2. Jahr: Aufbau der empirischen Erhebungsinstrumente, Begleitung eines konkreten Unternehmens, Ist-Analyse der globalen Supply Chain und der dazugehörigen Koordinationsinstrumente, Fallstudie auf Basis leitfaden-gestützter Experteninterviews in ca. 10 Unternehmen
  3. Aufbau eines Sollkonzeptes für das begleitete Unternehmen, Generierung eines allgemeingültigen Modells zur Koordination in virtuellen, mittel-ständischen Unternehmen.
    Dieses Projekt wird durch zwei studentische wissenschaftliche Hilfskräfte unterstützt. Es handelt sich hierbei um Herrn Alexander Herzner (3. Semester BWL) und Herr M. Riedl (3. Semester BWL)